Der „Nachhaltige Urbane Mobilitätsplan“ und unsere Kampagne für ein verkehrsberuhigtes Düsseldorf mit Tempo 30
Das
EU-Recht fordert bis Ende 2027 einen
„Nachhaltigen Urbanen Mobilitätsplan“ (SUMP) für Düsseldorf, das erfordert, so der damalige Dez. J. Kral (Rat 2025),
eine „
Finalisierung“ des Mobilitätsplan D (
hier), wir meinen, es müsste dafür eine Umsetzungsstrategie
entwickelt werden, wie wir in unserer Petition (->Flyer) für ein verkehrsberuhigtes D’dorf fordern. Eine solche Planung ist für 09/26 angekündigt, allerdings wohl ohne weitere Bürgerbeteiligung (vgl. als Vorbild
Köln). Der letzte Bürgerdialog fand
2021 statt, das ist viel zu lange her!
Erste Übergabe von U
nterschriften der Bündnis-Resolution an K. Metzker (Amt 66, Bild,
Info) am 15.11.24, dann
Aktion am Rathaus (->
PM), unterschreiben können Sie
hier. Unsere Kampagne für ein verkehrsberuhigtes, klimaneutrales Ddorf (
Resolution &
Begleittext) geht zurück auf eine
Veranstaltung mit dem damaligen Dezernent
J.Kral u. Verkehrsexperte
T.Koska (
Wuppertal-Inst.) am 21.04.23; wir stellten dabei u.a. die Brüsseler „
Low Traffic Zone“ mit einem Ring-System um die Innenstadt vor, Vorbild f. D’dorf?

T. Koska zeigte in seinem Vortrag die
Vorteile von Tempo 3o auf: Lärmschutz, Aufenthalts-Qualität,
Sicherheit (vgl.
UBA-Studie), Gewinn auch für den
Handel. Der damalige Verkehrsdez. J. Kral forderte mehr Planungs-Freiheit für Städte, zentrale Forderung der „
Initiative Lebens-werte Städte“ (
Position), der auch D’dorf angehört. – Zum
Interview mit der Brüsseler Verkehrsministerin, zu Kampagne-Zielen & Tempo 30-Studien hier
Kampagne verkehrsberuhigtes & klimaneutrales Düsseldorf
Die Verkehrswende in Düsseldorf – hin zu einer klimagerechten, menschen-freundlichen Mobilität ist schon beschlossene Sache: Der
Mobilitätsplan D (11/2019) enthält dafür Leitideen und Maßnahmen. Und 2019 beschloss der
Stadtrat das Ziel “Klimaneutralität bis 2035”
beschlossen. Das Umweltamt hat 2021 in der
Merit-Studie entsprechende Maßnahmen benannt, um das Klimaziel zu erreichen.
Aber die Ziele werden nicht in die Tat umgesetzt: Die seit Ende 2022 überfällige Umsetzungsstrategie für den Mobilitätsplan D – für 03/24
angekündigt – wurde erneut verschoben – nach Auskunft von Frau Metzker auf unbestimmte Zeit (bei der
Übergabe von
Unterschriften zu unserer
Verkehrskampagne am 15.11.24 im Verkehrsamt) Und hier sind wir alle gefragt, um bei der Stadt nachzuhaken und die Umsetzung der vorhandenen Konzepte zu fordern. Die Petition wendet sich daher an den OB Dr. Keller und an den Mobilitätsdezernenten J. Kral.- Die
fünf Haupt-Forderungen der Petition in Kürze:
– Vorlage konkreter Maßnahmen zu jedem der 10 Handlungsfelder des Mobilitätsplans D
– Tempo 30 auf möglichst vielen Straßen und Schaffung autofreier Zonen
– Beschleunigte Fertigstellung des Radhauptnetzes
– Umgestaltung von Auto-Parkraum und Nutzung für Stadtbegrünung und Klimaschutz
– Ausbau eines barrierefreien ÖPNV
Die im Bündnis zusammengeschlossenen Düsseldorfer Organisationen unterstützen die Forderungen : ADFC, BUND, attac, Greenpeace, Students For Future, NaturFreunde, Baumschutzgruppe, extinction rebellion.
Tempo 30 in der Stadt – Erläuterungen
In Deutschland ist die Normgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften 50 km/h. Ausnahmen an Hauptverkehrsstraßen müssen im Einzelfall ausführlich begründen werden. Erstaunlich, denn Straßen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h sind nicht nur deutlich sicherer (weniger schwere Unfälle, in Ddorf 2023), es gibt weniger Lärm und bessere Luftqualität, zudem wird auch der Fuß- und Radverkehr gefördert, die Aufenthaltsqualittät steigt. (->
Umwelt-Bundesamt) T-30 innerorts wird sogar als notwendige Maßnahme zur Erreichung von Klimaneutralität bis 2035 genannt, das 09/2021 im Rat beschlossene Klimaziel (vgl.
Merit-Studie).
E

ine „stadtverträglichere Geschwindigkeit“ und die „Umwidmung des öffentlichen Parkraums“ für den Umweltverbund werden als Maßnahmen im
Mobilitätsplan D gefordert (beschlossen 11/2019); damit kann der Modal Split für den MIV (der Anteil des motorisierten Individual-Verkehrs am Gesamtverkehr) gesenkt werden und so mehr Aufenthaltsqualität entstehen.
Die deutlichen Vorteile von stadtweitem Tempo-30 zeigen wir am Beispiel von Brüssel, vor allem, was eine „Verschiebung der Norm“ (auf Tempo 30) bedeutet.
Unser Interview mit der Brüsseler Verkehrsministerin E. Van den Brandt

Im Bild zunächst die sogenannten „Low Traffic Neighborhood“-Zonen (LTNs), die schon bestehen und geplant sind. (->
Folien dazu von B. Höfer BUND)
In unserem
Interview (14.04.23) ging die Ministerin detailliert auf den Stand und die weitere Planung der Mobilitätswende in Brüssel ein; darin erläuterte sie auf unsere Fragen hin die Maßnahmen zu Tempo 30 und die im Bild beschriebenen LTNs, also verkehrsberuhigte Quartiere mit T-30, ohne Durchgangsverkehr und mit lebenswerten Plätzen. Wir heben hier folgende Erfahrungen bzw. Lehren der Ministerin hervor:
– „Verschiebung der Norm“: 30 km/h wird zum Standard , 50 KM/h zur Ausnahme
– Autofahrende gewöhnen sich an die Norm, die Durchschnittsgeschwindigkeit geht zurück.
– Infrastrukturelle Maßnahmen (Bremsschwellen) und ein „robustes Durchsetzungssstem“ (wie Kontrollen) sichern den Erfolg, z.B. gegen verkehrsgefährdende „Rennfahrer“.
– „Verkehrsberuhigte Zonen, eine sichere Fahrradstruktur und ein robuster öffentlicher Verkehr (sind) notwendig“ für das Ziel, „öffentlichen Raum vom Durchgangsverkehr zurückzugewinnen“.
– Zum Handel: Straßen wie Chaussée d’Ixelles in den neuen LTNs werden zu beliebten Einkaufszonen – für uns nicht überraschend (->
Vortrag)
– Ideen konservativer Politiker und Autofahrer*innen mit „urbanen Legenden“ werden zurückgedrängt (z.B. „Mein Auto ist nicht für diese Geschwindigkeit gemacht.“).
– Erfolge bei Verkehrssicherheit u. Luftverschmutzung führten zu guten Wahlergebnissen.
– Ziel für weiteres Handeln: „die Verlangsamung beschleunigen!“
Infrastrukturplan „Good Move“ der Verkehrsministerin
Formuliertes Ziel: „eine lebenswerte Stadt, in der man nicht auf ein Auto angewiesen ist“.
(Interview E.Saur, ADFC
/ Folien B. Höfer) Erfahrungen mit T-30 in der Innenstadt: Verkehr läuft flüssiger, weniger Staus, bessere Stadtluft, weniger Unfälle, um die Hälfte reduzierter Lärmpegel. –
Planung bis 2030:
– Ausbau von 40 Km permanenten Radwegen, mehr autofreie Straßen und Plätze und insgesamt weniger Autos in der Stadt
– Pull-Angebote wie Gutscheine über 1000 € für den ÖPNV, wenn eigenes Auto abgeschafft wird oder kostenlose Ausleihe von Fahrrädern für Bedürftige
–
Stadt der 10-Minuten, d.h. schnelle Erreichbarkeit aller infrastrukturellen Einrichtungen im eigenen Viertel – als Parallele zur „
Stadt der Viertelstunden„ in Paris (vgl.
C. Moreno)
– Schaffung eines Bewusstseinswandels für Umstieg auf den Umweltverbund.
Es wird ein „car-free centre“ angestrebt, eine autofreie Innenstadt. – M0dell für D’dorf?
Was ist ein Verkehrsversuch?
Die Straßenverkehrsordnung ermöglich so genannte Verkehrsversuche. Damit können Kommunen von Regelungen der Straßenverkehrsordnung abweichen, beispielweise um zu erproben, welche Auswirkung eine Tempo-30 Zone auf die Unfallhäufigkeit oder die Lärmbelastung hat:
„Die Straßenverkehrsbehörden können die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken […] beschränken oder verbieten und den Verkehr umleiten. Das gleiche Recht haben sie […] zur Erforschung des Unfallgeschehens, des Verkehrsverhaltens, der Verkehrsabläufe sowie zur Erprobung geplanter verkehrssichernder oder verkehrsregelnder Maßnahmen.“ (Quelle)
Antrag für einen Verkehrsversuch zu Tempo 30 in Düsseldorf
Wir fordern von der Stadt Düsseldorf, einen groß angelegten und wissenschaftlich begleitetet Verkehrsversuch zu Tempo 30 starten. Im Rahmen dieses Versuches sollen ermittelt werden, welche Auswirkungen eine innerstädtische Tempo-30-Zone auf das Unfallgeschehen, die Lärmbelastung, die Reduktion von Feinstaub und das Verkehrsverhalten in den für den Versuch ausgewählten Stadtgebieten hat. Der Versuch soll dazu dienen, die Debatte um Temporeduzierung in der Stadt auf eine bessere Datengrundlage zu stellen und zu versachlichen.
Die Zahl der Verkehrstoten ist im Jahr 2022 in Deutschland um 9 % gegenüber 2021 gestiegen, die Zahl der getöteten Radfahrenden gar um 14% und die Zahl der Verletzten um 11% (Stat. Bundesamt). Die Unfälle mit Personenschäden (gestiegen auf 288.000) und mit Todesfolge (vgl. Grafik) würden mit Tempolimits deutlich sinken, und zwar überproportional. Dies gilt im Besonderen bei T-30 für die Sicherheit in Städten, reduziert dort schwere Unfälle, wie Untersuchungen und Beispiele aus anderen Städten zeigen (wie in Brüssel, s.o.).