eit dem 10.01.23 war es soweit, CDU-Minister Reul ordnete die „Reulung“ von Lützerath an, die Reste des Dorfes sind zerstört, die Braunkohle darunter zum Verfeuern freigegeben, entsprechend des RWE-Deals der Grünen, unter Beifall aller übrigen Regierungsparteien. Dagegen protestierten am 35.000 Demonstranten am 14.01.23 bei Lützerath und erzwingen eine erneute Diskussion über die klimaschädliche Ausweitung des Braunkohleabbaus (->Studie) – zu Kohlepolitik u. Demos hier
emonstration der 35.000 gegen den geheimen RWE-DealTrotz des stürmischen Regenwetters zeigten viel mehr Menschen als erwartet ihren Protest gegen den fortschreitenden Kohleabbau; als Folge entstehen weitere 280 Mio. t CO2-Emission, wodurch das vereinbarte Pariser Ziel, die Erderwärmung bis 2045 unter 1,5 Grad zu halten, wohl verfehlt wird. Die für den RWE-Deal verantwortlichen Grünen behaupten zwar, die Braunkohle unter Lützerath sei für die Energiesicherung nötig, das aber wird von Energie-Experten bestritten: „Der Abbau der Braunkohle unter Lützerath ist für die Netzstabilität nicht zwingend notwendig. Es gibt immer technische Alternativen,“ so ein Klimawissenschaftler der TH Regensburg (RP, 13.01.23). Und der 8 Jahre frühere Kohleausstieg schon 2030, von den Grünen als Verhandlungs-Erfolg verbucht, wäre ohnehin gekommen, so Experten (->WDR-Kommentar). Klima-Experten werten den fortgesetzten Kohleabbau übereinstimmend als eine „politische Entscheidung“ – also nicht energiewirtschaftlich notwendig! Diese Politik ist eine „Kapitulation vor Konzerninteressen“ (ethecon) zugunsten von milliardenschweren Gewinnerwartungen des RWE (taz, 7.1.23). Dagegen richtet sich der zivile Widerstand (->Campact), was auch in der „Kohle-Aktion“ vor dem Parteibüro der Grünen (am 09.01.) und der anschließenden Besetzung (am 12.01.23) zum Ausdruck kam. (Zur Frage der Gewalt hier ein Erfahrungsbericht.)
um politischen Kontext und zu den Klima-Protesten CDU-Bürgermeister S. Muckel (Erkelenz) hatte sich gegen Polizeihilfe gewendet, aber der Landkreis parierte, die Räumung wurde „in guter Abstimmung mit der Landesregierung“ durchgeführt (RWE-Chef Krebber, RP,10.12.22). Die Verankerung des Widerstands in der Bevölkerung zeigte auch das Votum bei „Wetten dass“ für den Vertrter von „Lützerath lebt„, er spendete sein Preisgeld (50.000 €) für den Erhalt des Dorfes. – Bilder der Demonstration:
esetzung des Parteibüros der Grünen in D’dorf
Zur Kohle-Politik von NRW-Regierung und RWE
Da wundert es nicht, dass der klimaschädliche Kohle-Deal nichtöffentlich ohne Beteiligung des Parlaments und der Öffentlichkeit ausgehandelt wurde, in intimer Runde der grünen NRW-Regierungsmitglieder (M. Neubaur, O. Krischer) und Bundesminister R. Habeck (!) mit den RWE-Vertretern; angeblich gab es auch keine Abstimmung in der NRW-Landeregierung, zudem sollten die Ergebnisse wohl erst nicht öffentlich werden (vgl. RP, 17.11.22, S.A6). Dies kann als Absage an nachhaltigen, transparenten Klimaschutz gesehen werden – eine Fortsetzung von Laschets Kohle-Politik! (Die Verfehlung der Klimaziele ist kein Kavaliersdelikt! – Satire)
Dass fünf Garzweiler-Dörfer – entgegen der ursprünglichen Abriss-Planung des RWE – erhalten bleiben, ist ein Erfolg der Demonstrationen rund um Garzweiler (s.u.) gegen die weitere Zerstörung der Heimat von bisher ca 40.000 Menschen – eben mit der Ausnahme Lützerath. Dabei verweist die NRW-Regierung auf ein OVG-Urteil, das die Räumung des letzten Bauernhofs im Dorf erlaubt, und auf frühere Regierungs-Beschlüsse zugunsten des RWE. Der Stromkonzern, an dem viele Kommunen beteiligt sind und Gewinne für ihren Haushalt erwarten, hatte nämlich eine Garantie für die Fortführung des Braunkohle-Tagebaus gefordert: „RWE erwartet, dass weiterhin eine durchgehende Genehmigungssicherheit des Tagebaubetriebes erhalten bleibt.“ (RP, 26.11.21, S. B1) Wer ist hier Herr und wer Knecht?
Demonstration für Lützerath und das 1,5°C Klimaziel am 12.11.22Schon am 21.10.2021 fand eine Demonstration mit vielen tausend Menschen für den Erhalt von Lützerath und den Stopp des Kohleabbaus statt.
Und dann befiehlt Innenminister Reul der Stadt Kerpen, gegen das Urteil in Revision zu gehen, obwohl der Stadtrat dort mehrheitlich dagegen gestimmt hat. Diese erneute Gerichtsposse wird offenbar auch vom neuen NRW-Ministerpräsidenten Wüst geteilt, der in seiner Antrittsrede am 1.11.21 darauf nicht eingeht, aber – trotz eines in Aussicht gestellten Kohleausstiegs bis 2030 – offenbar weiter vom Abriss Lützeraths ausgeht (RP, 3.11.21) – in Nibelungentreue zum RWE! Dagegen stehen zehntausende Menschen aus der Ziviligesellschaft und die neuen Baum-Besetzer in Lützerath (siehe Bild).
- Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen von 120 km/h verbunden mit Tempo 80 außerorts und Tempo 30 in der Stadt
- Beschleunigte Umsetzung der Verkehrswende, keine Zulassung von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab dem 1.1.2025
- Abschaffung der Diesel- und Dienstwagensubventionierung
- Vorziehen des Kohleausstiegs auf 2030 (PM, 30.4.21)
Diesen Forderungen entspricht das von der Regierungskoalition eilig zusammengebastelte Reformgesetz zum Klimaschutz in keiner Weise. Dirk Jansen vom BUND NRW hält deshalb den Reformvorschlag von CDU/SPD für einen „Angriff auf die Generationengerechtigkeit“: „Was muss noch passieren, bis die Verantwortlichen endlich einsehen, dass man planetare Krisen nicht mit halbherzigen Zielvorgaben meistern kann?“ (BUND).Weitere Info: In Berlin arbeitet die Initiative German Zero an einem Gesetzesplan für Klimaneutralität bis 2035.
Und was tut der neue NRW-Ministerpräsident Wüst? In Nibelungentreue zum RWE will er Lützerath weiterhin abbaggern lassen, trotz des möglichen Kohleausstiegs schon bis 2030! Er sollte ehrlicherweise als CDU/RWE in die kommende Landtagswahl im Mai 2022 gehen.
Am 07.08.21 demonstrierten knapp 4000 Menschen mit einer 4 km langen Menschenkette zwischen Keyenberg und Lützerath gegen die Kohle-Politik der NRW-Landesregierung und Laschets. Der vertritt konsequent die Interessen von RWE am profitablen, aber die Umwelt zerstörenden Abbau von Braunkohle, wofür in NRW schon etwa 40.000 Menschen umgesiedelt werden mussten – chinesische Verhältnisse! Auch Lützerath und evt. auch Keyenberg sollen dem unsinnigen Kohle-Tagebau weichen, für dessen Verlängerung bis 2038 sich Laschet persönlich eingesetzt hat. Dagegen forderten die Demonstrant*innen beim Tagebau Garzweiler: Klima schützen! Dörfer retten! Kohle stoppen! Auch der BUND rief zu der Demo auf und fordert darüberhinaus „eine natur-verträgliche Energie-Revolution!“






