„Radfahrer sind die Verlierer auf D’dorfs Straßen“ – Lebensqualität durch Radwege
So titelt ein Kommentar zum jüngsten tödlichen Unfall einer jungen Radfahrerin auf der Haroldstr.:  Wer in Düsseldorfs Innenstadt Fahrrad fährt, ist seines Lebens nicht mehr sicher: Fahrradwege enden plötzlich auf der Autofahrspur, wie auf der Graf-Adolf-Straße, teilweise hinter parkenden Lieferwagen (Bild links); auf dieser zentralen Ost-West-Verbindung gibt es keinen Radweg, auch nicht auf anderen Hauptverkehrs-Achsen. – Und neue Radwege vemindern den Autoverkehr, verbessern die Luftqualität, das zeigt eine neue Untersuchung der Umwelthilfe.
Zum tödlichen Fahrrad-Unfall, zum Verkehrschaos auf der Kö, zum absurden mittigen Radweg auf der Schadowstr. und zu unseren Stadt-Beispielen für eine gute Fahrrad-Infrastruktur  hier
Auch kein Radweg auf der 6-spurigen (!) Berliner Allee in die Innenstadt und nicht auf der Hüttenstraße stadtauswärts (Bild rechts).Viele weitere Beispiele können geplagte Radfahrer*innen aufzählen, die deswegen ungern oder gar nicht mit dem Rad in die Stadt fahren, zumal die Tradition der Autokultur ungebrochen scheint: Das Auto hat im Zweifelsfall immer noch Vorfahrt, auch in der städtischen Verkehrs-Planung, wie jüngst das Beispiel des Bücherbummels auf der Kö zeigt (s.u.). Darüber können nicht die vielfältigen Radwege-Planungen hinwegtäuschen, die im Bericht des OB zu seiner einjährigen Amtszeit stolz präsentiert werden.

Unsere Forderungen, die vom ADFC aus Anlass des Unfalltodes wiederholt erhoben werden, sind aktuell wie nie: Umverteilung des Straßenraumes zugunsten des Radverkehrs für eine sichere Fahrrad-Infrastruktur – gerade auch an Kreuzungen – und Tempo 30 für die Vermeidung schwerer Unfälle, was auch die Umwelthilfe (PM, 28.10.21, mit Bild) als Sofortmaßnahme fordert. Während die allgemeinen Unfallzahlen sinken, steigen die Zahlen von Verletzten im Radverkehr.

Tragischer Unfall-Tod einer jungen Radfahrerin auf unsicherem Radstreifen

Die am 26.10.21 auf der Haroldstraße v überfahrene Radfahrerin on einer Autofahrerin ist nicht nur das traurige Opfer einer unachtsamen Autofahrerin, sondern auch unsicherer Radwege, z.B. „handtuchbreiter ‚Schutz‘-Streifen“ (RP-Leserbrief, 1.11.21) bzw. fehlender Protected Bikelanes wie am Trippelsberg, so unser Bündnismitglied Michael in seinem Leserbrief.

Verkehrschaos auf der Kö, freie Fahrt für Poser!

Ein Bild des Jammers ist auch die Situation auf der Kö, wo ein mickriger Radweg sich die Fläche mit Fußgängern teilen muss. Unverschämt die dortige Regelung für die Büchermeile – eine städtische Vorzeige-Kulturveranstaltung (am Wochenende 16./17.10.21): Die Stadtverwaltung ließ die Kö für Fahrräder sperren, ließ sie aber für SUVs, Auto-Poser und parkplatzsuchende PKW offen, was natürlich zum Verkehrschaos, zu Gestank, Gefährdung von Fußgängern und Enge für die Büchermeile führte. (Leserbrief dazu an Verkehrsamt und RP hier). Diese auch von Dr. Kron (Droste-Verlag, moderierte die Lesung von Ex-OB Geisel) kritisierte Lösung ist typisch für das Verkehrsamt: Im Zweifel immer Vorfahrt für das Auto!

Schildbürgerstreich des Verkehrsamtes: mittige Radspur auf der Schadowstr.

Ein  ist auch die neue, nicht markierte Fahrrad-Mittelsspur auf der Schadowstr. (Bild), wo Fußgänger und Radverkehr sich gegenseitig behindern. Änderung nach Kritik: Alle sollen aufeinander Rücksicht nehmen… – Solche Radwege werden den Anteil des Fahrrads am Gesamtverkehr – 2019 nur bei ca 18% – nicht wirksam erhöhen.

Auf Fahrradstraßen hat der Fahrradverkehr Vorrang – nur nicht in D’dorf!
In Neuß ist ein Verkehrsversuch für mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt gestartet,  u.a mit der Einrichtung von Fahrradstraßen und einer zusätzlichen Fußgängerzone.
In Bremen verbindet z.B. die Fahrradstraße „Parkallee“ (siehe Bild) seit Februar 2021 das Stadtzentrum mit der Universität; Bremen gilt Münster als Vorbild einer Fahrradstadt.
In Hamburg sind zur Reduzierung des Pendlerverkehrs 7 neue Fahrradstraßen  geplant.
Von dem propagierten Ziel des Bündnisses „Aufbruch Fahrrad“, des ADFC und der Grünen, den Anteil des Radverkehrs in D’dorf bis  2025 auf 25%, bis 2030 gar auf 30% zu steigern, sind wir noch weit entfernt. – Zum Vergleich: Fahrrad-Anteil am Gesamtverkehr in Bremen 25% , in Kopenhagen fast 30%.  (Vgl. den aufschlussreichen Bericht darüber von M. Hollstein)
Der „Verkehrsversuch Innenstadt“ in Neuß (seit 1.6.21) läuft zunächst bis zum 31.03.2022: „Bis dahin wird dort ausschließlich der Lieferverkehr täglich bis 13 Uhr ermöglicht, danach ist der Raum Radfahrerinnen und Radfahrern, den Passantinnen und Passanten vorbehalten. (…) Dazu werden zudem so genannte „Parklets“ installiert: Module wie Fahrradständer, Radstellen, Pflanzkästen, Terrassen, Bänke, Sitznischen, Podeste, Picknick-Garnituren und Tische, die allesamt zum Verweilen einladen und (…) zusätzliche Möglichkeiten bieten.“
Bremen hat ein gut ausgebautes Radwegenetz von 700km und einen modal split (Anteil des alltäglichen Radverkehrs am Gesamtverkehr) von 26 %; dieser Anteil soll sich bis 2040 sogar auf 40 % erhöhen. Mehr zur Verkehrswende in Bremen ist nachzulesen auf der Webseite der Initiative Bremenize und beim BUND Bremen, der auch im „Bremer Bündnis Verkehrswende“ mitarbeitet.
Weitere Informationen unter Fahrradverkehr in den Materialien.