Wir erwarten, dass die Ratsfraktionen sich mit den Forderungen des breiten Bündnisses für eine Mobiltätswende auseinandersetzen und sich der Diskussion mit unseren Vertreter*innen zu stellen. Dafür haben wir einen Brief an die Ratsfraktionen /Ratsvertreter der  in den Rat gewählten Parteien geschickt.

Hier lesen: Jetzt die Verkehrswende in Düsseldorf voranbringen!

Sehr geehrte Ratsmitglieder,

der Rat der Stadt Düsseldorf hat beschlossen, 2035 „klimaneutral“ zu sein. Dafür müssen die Kohlendioxid-Emissionen von derzeit noch etwa 6,6 Tonnen pro Einwohner*in in den verbleibenden 15 Jahren um 4,6 auf dann 2,0 Tonnen CO2 reduziert werden. Ohne eine grundlegende Wende in der Mobilitätspolitik wird Düsseldorf die geplanten Klimaziele nicht erreichen. Es liegt nun in der Hand der neu gewählten Ratsmitglieder, die notwendigen Maßnahmen schnell einzuleiten. Aus Sicht des Bündnisses für eine Mobilitätswende in Düsseldorf muss es dabei vor allem darum gehen, die heute weitgehend auf das Auto ausgerichtete Verkehrsinfrastruktur auf den Fuß- und Radverkehr und auf den öffentlichen Verkehr umzustellen. Insbesondere erwarten wir vom neuen Rat, dass er folgende Projekte angeht:

1) Weniger Parkplätze

In Düsseldorf gibt es nicht zu wenige, sondern zu viele Parkplätze. Der Anreiz, mit dem Auto in die Stadt zu fahren, ist immer noch sehr hoch. Düsseldorf braucht eine systematische Reduzierung der Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum um jährlich 5 Prozent. Die freiwerdenden Flächen können für Begrünungsmaßnahmen sowie den Fuß- und Radverkehr genutzt werden. Eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung und eine Ausweitung der für Anwohner*innen reservierten Parkplätze sowie die Ausweisung von Ladezonen sollten die Maßnahme begleiten.

2) Innerstädtisch Tempo 30

Die Einführung von Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet wäre ein riesiger Schritt hin zu einer lebenswerteren und gesünderen Stadt. Es gäbe weniger Verletzte durch Autos, eine geringere CO2-Belastung und weniger gesundheitsschädigenden Lärm. Die Stadt muss nicht auf eine Veränderung der Straßenverkehrsordnung warten, sie kann schon heute deutlich offensiver als bisher Tempo 30-Zonen zur Luftreinhaltung und zum Lärmschutz einrichten. Andere Städte machen dies vor. Die innerstädtischen Straßen mit Tempo 30 müssen in Düsseldorf die Regel werden und Straßen, auf denen schneller gefahren wird, die Ausnahme.

3) Öffentlicher Nahverkehr

Die Mobilitätswende braucht einen guten und günstigen öffentlichen Nahverkehr, damit mehr Menschen diesen nutzen wollen und können. Die Linientakte müssen dafür ausgeweitet und verdichtet werden. Wir brauchen ein 365€ NRW-Ticket für alle und ein 120€ Sozial- / Seniorenticket. Die Stadt muss die Rheinbahn mit den notwendigen Mitteln ausstatten und sich im Verkehrsverbund für die notwendigen Änderungen einsetzen. Darüber hinaus muss die Stadt die Verkehrsverbünde drängen, überregionale kundenfreundliche Regelungen zu schaffen.

4) Ausbau des Radwegenetzes

Das Radwegenetz muss in der neuen Ratsperiode deutlich schneller als in den letzten Jahren ausgebaut werden. Dazu braucht es in den kommenden Jahren mindestens 50 km neuer Radwege pro Jahr. Nicht immer müssen dazu Wege neu gebaut werden. Straßen können in Fahrradstraßen umgewandelt werden und auf zweispurigen Straßen können durch die Wegnahme einer Fahrspur schnell neue Radfahrstreifen eingerichtet werden. Wichtig sind vor allem Lückenschlüsse sowie alle Maßnahmen, die das Netz durchgängig und komfortabel befahrbar machen.

5) Sichere Räume für Fußgänger*innen

Fußgänger*innen sind die am schlechtesten geschützten Verkehrsteilnehmenden. Das Zuparken von Wegen für den Fußverkehr muss konsequent geahndet werden. Ampelschaltungen müssen so eingerichtet werden, dass sie sich am Fußverkehr orientieren und nicht an den Autos. Der Radverkehr ist auf eigene Trassen bzw. auf die Straße zu verlagern, um Konflikte zu vermeiden und einen stressfreien Fußgängerverkehr zu erlauben – dies steht in direktem Zusammenhang mit dem Ausbau der Radverkehrs-Infrastruktur.

Die beschriebenen Maßnahmen sind kurzfristig innerhalb der jetzigen Ratsperiode umsetzbar. Langfristig brauchen wir eine autofreie Kernstadt – für eine freundliche, gesunde und klimaneutrale Lebenswelt.
Kontakt: Detlev Wöske
Tel. 0176-34024018 / Mail: detlev-verkehrswende@posteo.de