Eine Stadt für Menschen, statt für Autos – „Auto-freie Städte sind die Zukunft“ (P. Segura, Madrid)
Für die menschenfreundliche Gestaltung der Stadt mit autofreien Plätzen stehen beispielhaft die Superblocks in Barcelona (Bild): Vorrang für Fahrrad- und Fußgängerverkehr, weniger Umwelt-Belastung (die macht lt. aktueller Studie krank),  multifunktional mit Freizeit- und Kultur-Angeboten – ein Vorbild für  Projekte wie Adenauer-Platz (->mehr), die Kö sowie Stadtteil-Plätze. – Viele europäische Städte sind längst Vorreiter, z.B. „Wien als Vorbild für D’dorf“ (RP, 1.7.23) mit ÖPNV-Jahresticket für 365 €, wenig Privat-PKWs (auf 1000 Einw. 270 Autos, in Df 567) u. Stadtbegrünung (Konzept:Stadt der 15 Min.„). – Infos zu Barcelona, Paris, zur „Low Traffic Zone“ in Brüssel und  zur „Deutschlandstudie Innenstadt“ hier
Ökologische Stadtgestaltung nötig angesichts Verödung der Cities
Die o.g. Innenstadtstudie  fordert dazu auf, die Attraktivität der Cities zu erhöhen; dazu H. Dedy, Geschäftsführer des Dt. Städtetages: „Bürgerinnen und Bürger erwarten mehr Vielfalt, Plätzee zum Verweilrn und für Begegnung, mehr Grünflächen, Gastronomie, Spiel, Sport, zum Wohnen und Arbeiten – und das in hoher Qualität. Städte für Menschen, das ist unser Ziel.“ (RP, 02.01.23, S. A7) Entsprechende Positionen für Aufenthaltsqualität in multifunktionalen, autoarmen Stadtzentren, als Neo-Ökologie beschreibbar, vertritt auch die Verkehrsforscherin A. Bierwirth vom Wuppertal-Institut (RP, 30.12.22), für Lebensqualität und gegen den Besucherschwund in den Cities. (->Qualitätsmerkmale für Plätze)

Pontevedra seit 24 Jahren autofrei: weniger Lärm, keine Toten, blühender Handel  (Video u. Info).

Brüssels Innenstadt  ist eine „Low Traffic Zone“ – Vorbild für D’dorf

Brüssel, schon bekannt für die Umwandlung der historischen Innenstadt in ein verkehrsberuhigtes Wohngebiet – mit Tempolimit 20 für alle Verkehrsteilnehmer -, wurde ab 08/2022 die gesamte Innenstadt für den Durchgangsverkehr sperren, nur Ein- und Ausfahrt vom/zum Außenring auf Einbahnstraßen ist dann für den Autoverkehr möglich (Bild). Damit wird ganz Brüssel quasi zu einem einzigen Kiez-Block (s.u.), zugunsten des Umweltverbunds und für mehr Lebensqualität. ->mehr

Die Superblocks in Barcelona – Beispiel einer menschengerechten Stadt
Superblocks – spanisch „Superilles“ sind Karrées mit Wohnhäusern oder ganze Stadtviertel, die für den Durchgangsverkehr gesperrt sind und wo für Radfahrer und Fußgänger  Vorfahrt haben. Plätze in diesen Superblocks laden zum Spielen, Bummeln und Verweilen ein – sie sind multifunktional nutzbar und bieten Aufenthaltsqualität, wie das Bild zeigt.

DerAutoverkehr muss diese zu „Superinseln“ zusammengfassten Wohngebiete umfahren, nur Anwohner und Lieferwagen dürfen hineinfahren, und zwar mit einer reduzierten Geschwindigkeit von 10 km/h. Zur Verdeutlichung der Umwandlung hier Bilder der praktizierten Verkehrswende, die im Stadtteil Poblenou mit Superblocks seit 2017 umgesetzt wird:

Weitere Bilder und Informationen auf der spanischen Seite publicspace, der die Bilder entnommen sind. (Wir danken dem „Ajuntament de Barcelona“ f. Bilder.)

Wer mehr wissen möchte über den Prozess der Umgestaltung hin zu autofreien Vierteln in Barcelona, schaue nach auf der spanischen Webseite; informativ dazu der Bericht auf “ Spiegel online“ (27.10.20).

Hamburg folgt dem Beispiel Barcelonas

Nun nimmt sich auch Hamburg des Beispiels von Barcelona an: Der Stadtteil Eimsbüttel soll entsprechend der Superblocks in Barcelona zu einem „Superbüttel“ werden, nachzulesen hier. Wie wär’s, lieber Stadtrat und lieber OB Keller, sich ‚mal daran ein Beispiel zu nehmen!?

Berliner Kiezblocks als Beispiel für menschenfreundlich gestaltete Wohngebiete

Ein Kiezblock ist ein städtisches Wohnquartier ohne Kfz-Durchgangsverkehr. Die Straßen innerhalb des Kiezes sind vor allem für den Fuß- und Radverkehr da, während das Auto nur zu Gast ist.“ (Bezirksamt Pankow) Eine gute Beschreibung des Modells  und von Initiativen zur Einrichtung der Kiezeblocks findet sich hier.

Eine revolutionäre Verkehrswende in Paris durch Bürgermeisterin A. Hidalgo 
Die Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat Paris verwandelt: Sie verbannte den Autoverkehr von den Ufern der Seine und zuletzt auch von der alten Prachtstraße Rue de Rivoli, der Hauptverbindungsstraße zwischen Rathaus und Louvre, und sie plant, den berühmten Place de la Concorde in eine Fußgängerzone zu verwandeln:
„In den kommenden Jahren sollen die Place de la Concorde, die Champs-Élysées und der Platz rund um den Triumphbogen begrünt werden. Für Fußgänger sind breite Flanierboulevards vorgesehen, Autos müssen an die Ränder ausweichen. (…) An dem heute noch viel befahrenen Kreisverkehr am Triumphbogen soll es Picknickplätze geben.“ (Spiegel 28/2020)
Mit Hilfe des Pioniers für „Smart Cities“, Carlos Moreno, soll Paris zu einer Stadt der Viertelstunden werden, das heißt, dass von jedem Pariser Wohnort aus wichtige Orte in der Stadt, wie Geschäfte, Kindergarten, Schule, Dienstleister usw., innerhalb einer Viertelstunde zu erreichen sind. Eine solche „ökologische Transformation der Stadt“ (Hidalgo) ähnelt dem Modell einer „polyzentrischen Stadt“ (USA, 60-iger Jahre), in der Wohnen und Arbeiten (wieder) verbunden sind.
Und trotz wilder Proteste von Seiten der Auto-Lobby wurde A. Hidalgo 2018 als Bürgermeisterin mit 49 % der Stimmen wiedergewählt – ein Beispiel für nachhaltiges und mutiges politisches Handeln, das sich nicht durch ideolgie-getränkte Kampagnen der Auto-Industrie beirren lässt.

Neueste Maßnahme der Bürgermeisterin: Seit Anfang September 21 gilt Tempo 30 in ganz Paris, mit Ausnahme der Hauptverkehrsachsen (wie die Champs-Élysées), was der Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern und dem Lärmschutz (- 3 Dezibel) dienen soll. Seit 2003 gibt es bereits etwa 200 Gemeinden mit Tempo 30 in den Innenstädten, z.B. Grenoble und Toulouse.

Der umgestaltete Jahnplatz in Bielefeld: Vorrang für den Umweltverbund

Als Beispiel für eine menschenfreundliche Gestaltung von städtischen Plätzen kann auch der Umbau des Jahnplatzes in Bielefeld gelten. Dessen Umgestaltung (im Juni 2018) basiert auf Überlegungen zur Reduzierung der Stickoxid-Belastung in der Innenstadt, wozu auch ein optimiertes Verkehrskonzept für die umliegenden Zufahrts-Straßen gehört: „Im Vordergrund steht das Ziel einer Erhöhung der Aufenthaltsqualität des Platzes insbesondere für den Fußgängerverkehr mit dem perspektivischen Ziel einer möglichst emissionsfreien Innenstadt.“

Düsseldorfs bekannter Architekt C. Ingenhoven: „Wir müssen die Städte zurückerobern“
In einem Interview fordert der Düsseldorfer Architekt Christoph Ingenhoven, Planer von Kö-Bogen II und „Ingenhoven-Tal“,  attraktive Innenstädte ohne Autos:

„Ich fahre gern Auto, das Fortbewegungsmittel in der verdichteten Stadt ist jedoch das Fahrrad – oder der öffentliche Nahverkehr. So sollten wir in der Innenstadt das Parken am Straßenrand zurückdrängen. Das ist in Tokio, der größten Stadt der Welt, bereits geschehen. Warum nicht bei uns. […] Wir haben schöne Städte, wir müssen sie uns vom Auto, von der Werbung und den Verkehrsschildern zurückerobern!“ Dazu gehört auch der Kampf um Begrünung und Bäume wie von der Düsseldorfer Baumschutzgruppe.

Studie des IFH Köln „Zukunft des Handels – Zukunft der Städte“
Und auch die  Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (07/2021),  in die mehr als 26.000 Bürgermeinungen eingeflossen sind, fordert ein multifunktionales Konzept für die zukünftige Gestaltung von Stadtzentren:
Der Wunsch der Konsument:innen: Die Kombination verschiedener Nutzungsarten, wie Handel, Gastronomie, Freizeit-, Kultur-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Bemerkenswert: Ortsgrößenübergreifend wird (konsumfreien) Verweil-, Freizeit- und Interaktionszonen und Wohnen eine hohe Bedeutung zugemessen.“ (Pressemitteilung zur Studie;  Material zum Autoverkehr folgt)